redACtionsbureau Reportage
Reiseberichte

St Kilda, die „Inseln am Rande des Meeres“

Hirta und Co. - UNESCO Natur- und Kulturerbe in einem

11. bis 17. Juli 2014 — Hirta / St. Kilda

Wir sind bei strahlender Morgensonne um 07:00 Uhr am Pier von Leverburgh angekommen. Hier liegen die beiden Boote von Kilda Cruises im Hafen, die „Hirta“ und „Orca“. Malcolm, der Bootsmann, stellt sich uns vor. Ja, der Parkplatz gleich an der Straße ist prima. Hier werden wir unser treues Büromobil für fünf oder sechs Tage zurücklassen, möglicherweise für länger, wenn schlechtes Wetter verhindern sollte, dass sie uns wie vereinbart zurückholen. Die St. Kilda Islands liegen immerhin 40 Seemeilen draußen im offenen Nordatlantik.

Wir sollen unser Gepäck einfach an die Gangway stellen. Sie werden es schon an Bord holen. Kurze Begrüßung von Angus Campbell. Er empfiehlt uns, die wetterfesten Segelklamotten mitzunehmen. „Das Wetter ändert sich. Ihr werdet einen Tag nass werden. Aber danach wird es wieder besser“. Der Skipper wird es wissen.

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„Hirta“ heißt unser Boot, wie die Hauptinsel der St. Kilda-Gruppe. Die Überfahrt mit dem PS-starken Boot dauert knapp drei Stunden. Die Motoren durchpflügen die flache, ruhige See und ziehen einen mächtigen Schweif Kielwasser hinter sich her. Der Himmel zieht sich zu, je weiter wir uns von Harris entfernen. Im offenen Atlantik wird die Dünung des Meeres deutlich spürbar, in voller Fahrt tanzt das Boot rhythmisch auf und nieder, schlägt den Bug ins schäumende Wasser und taucht aus der sprühenden Gischt wieder auf. Eine mitreisende Dame verzieht sich blass auf Deck, seekrank…

Abseits der Welt

In der Ferne wird die kleine Inselgruppe sichtbar. Vom Horizont her schiebt uns der stete, sanfte Wind graue, schwere Wolkenbänke entgegen. Die Küstenlinie zeichnet sich immer klarer ab: schroffe Klippen, dann grüne, baumlose Steilhänge. Die „Hirta“ vermindert die Fahrt. Hinter uns trifft auch die „Orca“ ein. Beide Boote stoppen in der mondsichelförmigen Bucht. Sie ist von steil ansteigenden Bergrücken eingefasst und erscheint wie ein Kratersee. Hirta, die Hauptinsel der St. Kilda-Gruppe, ist erreicht.

Aufgrund ihrer exponierten Lage bei N 57° 48' 40'' und W 08° 36' 10'' beträgt die Entfernung von Ostengland zu St. Kilda gut 10°. Entsprechend deutlich ist die Zeitverschiebung. Die Sonne geht auf Hirta gut 39 Minuten später auf als im Osten der Britischen Insel.

Vom Boot aus ist der Pier zu sehen, Beton und Rost, darüber grün gestrichene Baracken. Im meeresnahen Halbrund des ansteigenden Berghanges sind klobige, graue Bauwerke zu erkennen, mit mächtigen Mauern aus geschichteten Steinblöcken. Halbhohe Trockenmauern durchziehen das Tal, Giebel von dachlosen Häusern reihen sich in der Ferne zu einer geisterhaften Straße, ein Spalier der Vergänglichkeit. Das muss sie sein, die verlassene Siedlung der Crofter. 1930 wurden die letzten 36 von ihnen evakuiert, als die Lebensumstände zu hart geworden waren für die schrumpfende Gemeinde, die einst sehr einvernehmlich den widrigen Bedingungen getrotzt hatte.

Besiedelt seit Urzeiten

Das Tal und die Hänge sind übersät von steinernen kleinen Ställen und Speichern von ovalem oder runden Grundriss, allesamt kugelige Bauten, die grüne, kappenartige Dächer tragen, mit Torf bedeckt und mit Gras bewachsen. Es sind die sogenannten Cleits, die seit Jahrtausenden, ja seit der Steinzeit auf dieser Insel errichtet wurden: zu schrägen Trockenmauern geschichtete Felsblöcke, die Platten für die bewachsenen Torfdächer tragen. 1260 davon haben die Archäologen allein auf Hirta gezählt. Viele stammen aus dem 19ten Jahrhundert. Doch etliche sind hunderte, wenn nicht tausende Jahre alt. Seit der Bronzezeit ist St.Kilda von Menschen besiedelt.

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Seit 1986 ist der Archipel eine „World Heritage Site“, die erste in Schottland überhaupt. Der „National Trust for Scotland“ (NTS) konserviert, pflegt und erhält das Welterbe, das inzwischen den Doppelstatus als Natur- und als Kulturerbe innehat. Zudem betreibt NTS seitdem eingehende archäologische Studien.

Dem Wetter abgetrotzt

Arbeitsgruppen aus Freiwilligen und wissenschaftlichen Experten kämpfen um den Erhalt der baulichen Substanz, nicht zuletzt gegen die extremen Wetterbedingungen. Im Winter rollen sechs Meter hohe Wellen in die Hirta Bay. Die Stürme sind extrem. Die Lebensbedingungen für Mensch und Tier sind außergewöhnlich hart. Wie die damalige, kleine Gemeinde der St. Kildians hier überhaupt hat bestehen können, ist angesichts dieser klimatischen Bedingungen und der geografischen Exponiertheit umso erstaunlicher. Noch 1860 hatte ein Hurricane ihre Siedlung verwüstet.

National Trust for Scotland unterhält und pflegt das Weltkulturerbe. NTS-Manager für die gesamten Western Isles und damit auch für St. Kilda ist Susan Bain. Die Archäologin kam 2002 von Ausgrabungen in Kairo als Warden für NTS nach St. Kilda, aus dem Nahen Osten an den Rand des Nordatlantik. Sie hat die Insel erkundet, erspürt und ergründet. Mit Gefühl für die Menschen, die einst hier lebten, hat sie die Siedlungsstrukturen systematisch erfasst. Heute managt sie die Arbeiten, die während der kurzen Saison zeitlich wie finanziell möglich sind. Das Geld kommt von Spenden und nicht zuletzt auch von NTS-Mitgliedschaften.

Die archäologischen Initiativen von NTS werden begleitet von notwendigen Instandhaltungsarbeiten. Die wesentlichen und wiederkehrenden Arbeiten gelten dem Erhalt der im Winter von Wetter und Winderosion beschädigten Bausubstanz, den eingestürzten Mauern und den davon geflogenen Dächern. Die ozeanischen Wetterverhältnisse hier oben sind extrem hart.
Bleiben tun nur wenige.

Wir werden ausgebootet. Kein Schiff soll am Pier der Insel anlegen. Es könnten Ratten eingeschleppt werden. Auch Hunde und Katzen an Land zu bringen, ist verboten. Paul, der Ranger, stellt sich den Neuangekommenen vor und gibt eine kleine Einweisung und Verhaltensrichtlinien für die Insel. Die Klippen sind die höchsten in ganz Großbritannien, daher Vorsicht am Rande der Steilküste. Festes Schuhwerk, grobes Schuhprofil und wetterfeste Kleidung sind unentbehrlich, auf den nassen Wiesen und glatten Steinen sind Wanderstöcke nur zu empfehlen. Der Wind kann zudem böig auffrischen. Sie haben gut vier Stunden Zeit, die Insel zu erkunden. Dann geht das Boot wieder zurück. Bleiben tun nur wenige. „Wir geben den Leuten eine Idee, wie es es hier aussieht“, erzählt Angus Campbell, „und etliche kommen wieder und immer wieder, um andere Ecken der Insel zu entdecken.“

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Wir bleiben. Paul zeigt uns den kleinen Campingplatz, von Mauern eingefriedet, die vormals Weideland abgetrennt haben mögen. Wir kauern unsere beiden kleinen Zelte gegen die seewärtigen Steinwälle. Gleich neben unserem Platz gibt es einen Cleit als steinerne Vorratshütte, halb in den Boden eingelassen, aus geschichteten Steinblöcken. Paul empfiehlt sie uns als Aufbewahrungsplatz. Sie sei trocken und er müsse uns zudem auf die heimische Feldmaus aufmerksam machen. Es sei ratsam, keine Lebensmittel im Zelt aufzubewahren. Das Mäuschen fresse sich auch durch Zeltböden und -stoffe, um an Nahrung zu kommen. Schon bald werden wir es kennenlernen.

Weit weg und schwer erreichbar

Ein Hubschrauber donnert über die Bucht und fliegt wieder von dannen. Paul wundert sich über die Manöver der Küstenwacht. In der Ferne rumoren Baumaschinen, die die Straße am Berg befahren. Sie soll diesen Sommer instand gesetzt werden. Wenig später kommt ein zweiter Helikopter, der auf dem ausgewiesenen Platz oberhalb des Strandes landet. Paul runzelt die Stirn: „Seht ihr. Das ist der viel gepriesene Friede von St. Kilda“, lacht er.

Wer nicht als Tourist mit einem der Schnellboote lokaler Veranstalter anreist, der ankert mit der Yacht im Hafen oder kommt wie das stationierte Personal per Helikopter. Wer Mut hat, kommt mit dem Seekajak. Nick und Barry sind heute Morgen mit dem Kajak auf St. Kilda gelandet. Zehn Stunden haben die beiden Waliser gebraucht, zwölf hatten sie eingeplant, um von Leverburgh bis hier über das offene Meer zu paddeln. Sie hatten sich sorgfältig vorbereitet. Dennoch braucht eine solche Tour auch günstige Umstände, passendes Wetter und den richtigen Wind, und nicht zuletzt den Arsch in der Hose, ein solches Abenteuer überhaupt zu wagen und auszusitzen. Übermorgen um vier Uhr morgens wollen sie wieder zurück nach Harris. Dann soll das regnerische Wetter wieder aufklaren. Der Wind wird sie ein wenig schieben. Doch noch liegen dichte graue Wolkenbänke auf den uns umgebenden Höhen. Es nieselt.

Militärbasis und Radarstation

Nun ja, die Insel ist Militärstützpunkt. Eine Radarstation thront hoch oben auf den Klippen. Die grün gestrichenen Gebäude der Army kauern sich in die nördliche Ecke der mondsichelförmigen Bucht neben die alte Kirche. Flache Baracken, die unauffällig tun, doch sie beherrschen das Bild. Ein graues Bauwerk ragt aus dem Ensemble hervor: das Kraftwerk. Es versorgt die Station mit Elektrizität und dem gleichbleibenden Dauerton der Generatoren, der Tag und Nacht in der Bucht zu hören ist. Die gepriesene Idylle ist ein wenig getrübt. Doch ohne die Army, so hören wir es des Öfteren, sei das alles hier nicht möglich. Weder die Station des Trust, der in der Saison die Baulichkeiten des Weltkulturerbes instandsetzt, noch die Niederlassung der Universität von Edinburgh, die hier seit 1957 ihre Feldstudien betreibt: das „Soay Sheep Projekt“ ist ein Dauerbrenner von internationalem Rang.

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Und das kleine Toilettenhaus nahe dem Campingplatz nicht zu vergessen. Dessen Elektroheizung und Warmwasserversorgung werden ebenfalls über das Kraftwerk gespeist. Camper dürfen es mit dem wissenschaftlichen Personal teilen. Es ist das einzige. Nein, es ginge wirklich nicht ohne Infrastruktur und die unterhält das Verteidigungsministerium. Die Zusammenarbeit im Welterbe ist interdisziplinär – und sie klappt.

Auf dem Boden der Tatsachen

Auf der Zeltwiese verstauen wir unsere mäusesicheren Boxen, Taschen und Stühle in dem nahegelegenen Cleit, einem trockenen geräumigen Erdloch, das womöglich schon vor hundert Jahren und mehr den Menschen als Speicher diente. Aus Niesel wird Regen und so beschließen wir, unseren Kocher unterirdisch in Betrieb zu nehmen, auf dem Boden der Tatsachen. Ein wenig umständlich das Ganze, denn der Raum ist doch sehr beengt und finster. Und zugleich ist es nicht ratsam, den Dreck in die Vorräte und Küchenutensilien zu tragen.

Ausdrücklich wurden wir vor der Infektionsgefahr gewarnt, die aufgrund von Mäuse- und Vogelkot, vor allem auch durch den überall verteilten Schafsdreck droht. Im kleinen Waschhaus ist ein Behälter mit antibakteriellem Schaum zum Händewaschen aufgehängt. Zur Verwendung wird ausdrücklich geraten, vor allem vor dem Kochen und Essen.

Die Ausstattung des Zeltplatzes ist, wie angekündigt, sehr karg. Die frei laufenden, wilden Schafe kommen auch hier über die Mauern, sodass auch der enge Wiesenplatz der Camper nachhaltig gedüngt wird und von Tretminen übersät ist …

Wolf und Schaf

Unser Abendspaziergang führt uns auf die alte Dorfstraße, einen von Steinen gesäumten grasbewachsenen Pfad: „The Street“. Die obere Bucht durchzieht eine durchlaufende Häuserreihe. Nur noch die Giebel ragen in den Himmel, Schottlands berühmteste und World Heritage Site. Das von groben Mauern parzellierte Ruinengelände erzählt von gewesenen Tagen harter Arbeit.

Wir schlendern Richtung Museum, in Haus 3. Es wird uns in den kommenden Regentagen Obdach gewähren. Einen anderen Unterschlupf als Zelt und Cleit haben wir nicht. Am Haus davor treffen wir eine Lady, die auf der Bank neben der Tür sitzt. Die ersten sechs der Crofterhäuser sind inzwischen gedeckt und restauriert. Sie dienen als Gästehäuser des NTS.

„Ein schöner Platz für einen Sonnenuntergang“. „Ja, wenn denn das Wetter nur besser wäre“, sagt die Dame, die barfuß auf der Bank sitzend die Aussicht genießt. Zudem sei Westen jenseits der dunstumwölkten Höhen über uns, und sie weist mit dem Arm hinauf in das Grau der Wolken, die langsam talwärts quellen.

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Wir stellen einander vor, kommen ins Gespräch. Wie sich herausstellt, ist Jill Pilkington soeben mit dem Hubschrauber angekommen. Sie ist die Projektleiterin jener wissenschaftlichen Feldstudien, die als „Soay Sheep Project“ internationalen Rang in der Erforschung der tierischen DNA und der Evolution haben. Es ist dem „Genetic Gems“ gewidmet.

Seit 23 Jahren komme sie hierhin, erzählt Jill und zieht die nackten Füße mit ihren rot lackierten Zehennägeln unter die Bank. Heute Abend ist sie zurückgekehrt, um die Arbeit wieder aufzunehmen. Seit langer Zeit schon betreibt die Universität Edinburgh dieses Feldprojekt. Es widmet sich den hier ansässigen Schafen. Sie haben in der isolierten Lage der Insel einen einzigartigen genetischen Status bewahrt. „Wenn der Wolf der Urvater aller heute bekannten Hunderassen ist, so ist das 'Soay Sheep' die Mutter aller Schafe“, erklärt uns Gill. „Der Wolf der Schafe sozusagen“, lacht sie.

Labor heißt Arbeit

Jill erwartet in den kommenden Tagen weitere 16 Studenten aus Edinburgh, die als Freiwillige nach St. Kilda kommen. Hirta ist ein Labor im Naturzustand. Der Bestand der Schafe ist von 120 auf 1200 gestiegen. Das bedeutet jede Menge Arbeit, die Tiere zu scannen. Zusammen werden sie die neugeborenen Lämmer aus dem Frühjahr zusammentreiben und die letzten mit Ohrmarken kennzeichnen. Die Forscher verfolgen die Genealogie der Tiere. Ihre DNA weist besondere Merkmale gegenüber den Artverwandten auf dem Festland auf. Die genetische Entwicklung der Herden lässt sich aufgrund der Isoliertheit dieser Inselwelt sehr genau studieren. Die wilden Schafe liefern so interessante Erkenntnisse über den Verlauf der Evolution.

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Diese klein gewachsenen Schafe haben genetisch die nächste Verbindung zum ersten domestizierten Hausschaf. Es wird vermutet, dass es durch die frühen Siedler zur Bronzezeit hier eingebracht wurde. Die Isoliertheit der Inseln hat jene Nähe zum „Schafs-Wolf“ bewahrt und jene althergebrachten, besonderen, genetischen Merkmale erhalten, die diese Tiere von allen Artverwandten auf dem entfernten Umland grundlegend unterscheidet.

Seit 1952 sind die Schafe Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. Inzwischen sind die Universitäten von Edinburgh, Cambridge, Sterling, Kent, London, Banchory und Aberdeen beteiligt.

Wunderbar abgeschieden

Für die Wissenschaft ist die „Splendid Isolation“ von St. Kilda ein Glücksfall. Das kleine Museum erklärt anschaulich die Besonderheiten. Es wird übrigens vom St. Kilda Club unterhalten. Die Artenvielfalt auf den entfernten Inseln ist wesentlich geringer als auf dem Festland. Nur 180 Pflanzenarten wurden gezählt, gegenüber 600 auf Skye und 2000 auf dem Festland. Auch die hier heimisch gewordene Feldmaus ist alter Herkunft und doppelt so groß wie ihre Verwandten anderswo. Die Evolution auf dem entfernten Mainland und auf dem europäischen Festland ist deutlich andere Wege gegangen. Die Assimilation an die hier herrschenden Umweltbedingungen war deutlich anders. Den besonderen Wechselbeziehungen von Klima, Wetter und Umwelt gilt das Forschungsinteresse der Biologen.

Dank der Abgeschiedenheit der Inseln sind diese ist nicht zuletzt für Seevögel ein besonders Refugium, fern von der Isoliertheit ihrer natürlichen Umgebungen. Millionen Vögel brüten hier auf St. Kilda. Das Meer ringsumhin bietet reichhaltig Nahrung. Das Wasser ist (noch) so klar, dass Algen, Schwämme und Seeanemonen in weit größerer Tiefe wachsen als anderswo. Dadurch ist auch das Plankton besonders reichhaltig – mit allen Folgen für Fische und Vögel in der Nahrungskette, allen voran die Wale.

Regen, Sonne, Nebel, Wind

Das Wetter ist ein harter Faktor. Wir erleben es jeden Tag, den wir hier verbringen. Der Wechsel von Regen und Sonne ist rapide. Dabei ist Hochsommer. Im Winter sind die Bedingungen erbarmungslos: härter, kälter, nasser, stürmischer.

Seit den frühen Morgenstunden prasselt der Regen auf unser kleines Zelt. Wir dösen und warten ab. Es gibt keinen rechten Unterschlupf. Pünktlich um zehn setzt wie vorausgesagt die Regenpause ein. Raus aus dem Zelt, anziehen, regenfeste Jacken und Hosen an. So können wir dem Wetter trotzen und den ersten Kaffee und Tee in unserem Erdloch aufbrühen. Heute Nachmittag soll das Regengebiet über uns hinweg gezogen sein …

Auf die Klippen

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Ein Sonnentag ist erwacht. Wir ziehen die Wanderschuhe an, packen die Rucksäcke: Brot, Wasser, Sonnencreme. Dann steigen wir die steilen Hänge zwischen Cleits und Steinwällen immer höher hinauf, bis die Bucht tief unten zu unseren Füßen im Tal verschwindet. St. Kilda ist aus einem alten Vulkan entstanden, die Berge sind auf der Seeseite abgerissen und fallen über die höchste Steilküste Großbritanniens 400 Meter hinab in den Atlantik. Ein atemberaubendes Panorama bietet sich uns. Wir ziehen über die Höhen, dann hinab in die rückwärtige Senke und wieder hinauf an der Radarstation westwärts.

Hier ist das Brutgebiet der „Great Skua“, der großen Raubmöwe. Mächtige Vögel mit einer Spannweite bis 1,40 Meter. Argwöhnisch bewachen sie ihr Revier und attackieren jeden aus der Luft, die ihren Nistplätzen zu nahe kommen. Wie der Rote Baron stürzen sie im Senkflug auf uns hinab, ziehen dicht über unseren Köpfen wieder nach oben, um uns von hinten erneut anzugreifen. Beide Elterntiere teilen sich die Angriffsarbeit. Wir sorgen, dass wir schleunigst davonkommen. Ob das Boot denn morgen kommt?

Nachtrag

Die stürmische See hat Angus und seine Boote abgehalten, den heutigen Trip zu wagen. Wir warten und wettern ab. Das ist nicht schlecht, denn so lassen sich im Schutz des kleinen Museums diese Aufzeichnungen machen, die ansonsten wohl kaum in dieser Ausführlichkeit von unterwegs zustande gekommen wären. Ob es demnächst zu einer ähnlich epischen Breite kommt, ist fraglich. Hoffentlich nicht. Denn dann wird das Wetter wieder besser.

Warten wir es ab, wir melden uns kurz oder lang.

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