redACtionsbureau Reportage
Reiseberichte

Isle of Man – einst Kingdom of the Isles

Von Kelten und Wikingern bis heute geprägt

30. Juli – 5. August 2014 — Belfast – Douglas – Dublin

Dunst und Wolken rissen auf, die Überfahrt mit Steam Packet von Belfast nach Douglas verlief trotz steifem Wind sehr entspannt. Der 96 Meter lange High-Speed Katamaran pflügte mit 27 Knoten durch die kabbelige See seinem Bestimmungshafen entgegen. Manannan, Gott und Gebieter über Himmel, Nebel und Meer war uns gnädig. Seit Jahrhunderten ist er der Schutzherr von Manx, jener kleinen Insel inmitten der Irischen See.

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Wie die Küsten und Inseln ringsumhin war die Isle of Man von Siedlern der Bronzezeit bewohnt, seit 500 v. Chr. von Kelten besiedelt. Die Römer hingegen haben sie nie betreten. Ab dem 9. Jahrhundert erlangten die Wikinger sukzessive die Herrschaft über die Insel. Sie wurde zum Zentrum der Macht des „Kingdom of the Isles“, das von den schottischen Orkney Islands über die Inseln der Äußeren und Inneren Hebriden reichte und das Rathlin Island mit einschloss, das heute zu Nordirland gehört. Seit je war Manx ein Mittler zwischen Schottland, England, Wales und Irland, eine Landbrücke zwischen den Anrainern der Irischen See und den Inseln im Nordatlantik. Doch mehr als nur ein Sprungbrett auf dem fiktiven Celtic Way ist Manx einen langen genüsslichen Urlaub wert. Wer wüsste das besser als das „Welcome Center“ in Douglas. So einladend jedenfalls heißt das Tourist Office, das die neu angekommenen Touristen am Ferry Terminal sehr freundlich und zuvorkommend berät.

Verbindungs- und Vermittlungsstellen

Die Pressestelle der Manx Tourismusbehörde indes ist dem Department of Economic Development zugeordnet und in der Innenstadt zu finden. Wir treffen Richard und Angela gleich am ersten Tag dort in ihrem Büro. Beide repräsentieren auch persönlich den kulturellen Mix, den die Isle of Man seit Jahrhunderten zu einer Besonderheit in der Irischen See macht. Angela ist Schottin, ihr Mann Ire, wie sie erzählt: „aus der Republik Irland“. Hier haben sie ihren Mittelpunkt, ihren Konsens gefunden. Richard wiederum stammt von Manx. Die beiden begegnen uns herzlich und erzählen mit Begeisterung von ihrer Insel.

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„Ob denn alle hier glücklich seien mit der TT?“, fragen wir. „Ja und Nein“, das klingt politisch. Doch in der Tat verdankt die stille Insel ihre weltweite Bekanntheit nun einmal einem wahrlich tosenden Spektakel: der Tourist Trophy. Die jährlichen Motorradrennen machen Manx zum Mekka der Bikerszene aus aller Welt und verwandeln die Landstraßen entlang der kleinen Siedlungen und Farmen in ein röhrendes Motodrom. Bei Geschwindigkeiten über 200 mph wackeln die Tassen im Schrank der kleinen Häuser am Parcours. Seit 1911 verunglückten auf dem jetzigen Kurs 242 Fahrer tötlich, zwei 2014. Über die getöteten Zuschauer gibt es keine Zahlenangaben. Rund um Snaefell, den höchsten Berg des Eilands, entsteht Ende Mai bis Mitte Juni aus den kurvenreichen Straßen ein wahnwitziger Rennkurs rasenden Irrsinns. Wer die kleinen Straßen ruhiger erleben und befahren möchte, wird die Insel zu der Zeit lieber meiden. Sie ist eh überlaufen. Danach ist die Bergstaße am Snaefell wieder ein wunderbares Ausflugsziel, ob mit dem Auto, Motorrad oder Fahrrad. Und wer sie ganz in Ruhe genießen möchte, nimmt am besten die Mountain Railway, eine wunderschöne historische Eisenbahn. Aufgeregt bimmelnd kreuzt sie die Bergstraße auf einem unbeschrankten Bahnübergang am "Bungalow", der Bergstation am Pass, und bringt die Touristen gemächlich auf 2036 Fuß hinauf: zu einem fantastischen Inselrundumpanorama – bei schönem Wetter versteht sich. So jedenfalls wurde es uns am letzten Tag hier geschenkt.

Auf den Spuren der Kelten und Wikinger

Angela und Richard entlassen uns mit vielen Tipps für ruhigere Lokationen. Das Manx Museum zum Beispiel, wo Linsey uns über die keltischen Wurzeln, die Manx Crosses und die historischen Stätten aufklärt. Besondere Empfehlung: das House of Manannan in Peel. Die überschaubare Insel ist in vielerlei Hinsicht ein lohnenswertes Reiseziel: für Wander- und Strandurlaube, aber auch für Entdeckungsreisen in die spannende Vergangenheit dieses vielseitig geprägten Kulturraumes. Nicht zuletzt überraschen Modernität und Tradition des kleinen selbstbestimmten Volkes. Denn die Isle of Man hat ihre Eigenständigkeit auf besondere Weise bewahrt, außerhalb des Vereinigten Königreiches und außerhalb der EU.

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Die Kelten haben hier gesiedelt, die Wikinger haben die Insel erobert und politisch gestaltet, die Iren haben die Insel christianisiert. Bis heute wirken diese charakteristischen kulturellen Einflüsse, vor allem aber die politischen. Denn die Wikinger brachten mit dem Thing, der jährlichen Versammlung der rechtsfähigen Männer, ein parlamentarisches System ein, das älter noch von Island her bekannt ist, hier auf Manx aber bis heute zu ununterbrochen Bestand hat. Das macht sie zur ältesten Demokratie der Neuzeit, heutzutage mit einem Zweikammern-Parlament. Doch alljährlich findet immer noch am 5. Juli im Tynwald die nationale Versammlung statt. Wie vor alten Zeiten werden unter dem Vorsitz des Lieutenant Governor von den beiden höchsten Richtern des Landes die neuen Gesetze aus der zurück liegenenden Legislaturperiode verkündet. In Englisch und in Manx, dem hiesigen Gälisch.

Hier sind die Bilder unserer Entdeckungstour:

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