redACtionsbureau Reportage
Reiseberichte

Nordirland

Von Cairnryan nach Belfast und zur Fähre nach Douglas

29. Juli 2014 — Belfast

Dieses Jahr sind wir in Nordirland nur auf der Durchreise. Ursprünglich hatten wir hier Rathlin Island besuchen wollen. Es liegt im äußeren Nordosten, mit gut 20 km Entfernung schon in Sichtweite von Kintyre. Die Insel gehörte zu Zeiten der Wikinger zum „Kingdom of the Isles“. Ebenso war sie Teil des verflossenen „Kingdom of Man“, dessen späte Nachfahren wir jetzt besuchen wollen. Doch nach dem verlängerten Aufenthalt auf St Kilda lässt der Zeitplan diesen Abstecher nun nicht mehr zu. Gleich morgen früh geht die Fähre von Belfast nach Douglas.

Wir sind zeitig am Fähranleger von Stena Line in Cairnryan. So bleibt Zeit, um unser Bildmaterial von den Inneren Hebriden noch in Ruhe ordnen zu können. Denn mit der Irischen See wird nun das zweite große Kapitel unserer Tour am„Celtic Way“ aufgeschlagen. Das heißt aufräumen und Platz schaffen für Neues. Wir nehmen dafür sogar eine Fähre später. Das Flex-Ticket macht Umbuchen sehr leicht. Etwa alle vier Stunden geht ein Schiff hinüber nach Nordirland. Also ran an die Arbeit. Mit Wifi an Land und an Bord können wir Text und Bilder an unsere Redaktion schicken. Dafür verzichten wir sogar auf die Sauna an Bord, eine wahrhaft große Versuchung.

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Gegen 22:00 Uhr setzt uns Stena zuverlässig in der nordirischen Hauptstadt ab. Wir müssen aber noch das Hafenbecken wechseln, um zum Fähranleger von Steam Packet zu gelangen. Check-in für Douglas ist dort um 6:00 Uhr in der Früh, eine eher unchristliche Zeit. Wir wollen deshalb gleich vor der Tür übernachten, die wir gegen 23:30 Uhr dann auch tatsächlich am angegeben Ort verschlossen vorfinden. Die Damen am Stena Schalter hatten uns eine sehr ausführliche Wegbeschreibung gegeben. Wir schaffen es deshalb auch ohne Navi, der die genannte Straße nicht kannte. Und nun stehen wir vor verschlossenen Toren. Wo übernachten? Wir kurven durch die menschenleeren, schummrig beleuchteten Hafenquartiere: Kein Parkplatz zu finden – allüberall absolutes Halteverbot. Wo bleiben? Die Campingplätze liegen weit außerhalb und haben zudem um diese Zeit geschlossen. Stellplätze gibt es nicht.

Kurven, Kehren, Kreisverkehre

Plötzlich und unverhofft lugt aus den finsteren Häuserzeilen ein uns bekanntes Bauwerk hervor: woooow, das Titanic Buliding, ein echter Lichtblick. Wiedersehensfreude macht sich breit. Vor einem Jahr hatten wir dort mit Billy Scott eine unvergessliche Taxitour im Black Cab erlebt.

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Also nichts wie hin. Dunkel und einsam liegt das Titanic Building vor uns. Wo damals um die hohe Mittagszeit die Busse und Taxis roulierten, herrscht um diese nächtliche Stunde nichts als gähnende Menschenleere. Wir parken im absoluten Halteverbot, selbst die Patrouille der Hafenpolizei stört das nicht. So schlendern wir auf einem mitternächtlichen Spaziergang zwischen den restaurierten historischen Zeugnissen unvergessener Katastrophen und eigenen alten Erinnerungen an unsere erste unvergessliche Begegnung mit dieser leidvoll zerrissenen Stadt.

Nordirland ist eher eine politische Insel, wenngleich keine isolierte mehr. Die Grafschaften blieben 1922 bei der Unabhängigkeit der Republik im britischen Empire. Sie sind nach Beendigung des Bürgerkrieges 1999 autonomer Teil des Vereinigten Königreichs und längst Teil der EU. Insofern sind die Grenzen offen. Einsame Küsten und weite Sandstände, immergrüne Glens und stille Wälder machen Nordirland zu einem beeindruckenden Urlaubsland. Eine wunderbare Route, um die landschaftlichen und kulturellen Schönheiten zu entdecken, ist die „Causeway Costal Route“. Sie führt von der Hauptstadt Belfast entlang der Antrim Coast nach Derry. Hier schließt sich der „Wild Atlantic Way“ an, der in den Donegal und südwärts durch die Republik verläuft.

Unser „Celtic Way“ indessen führt mitten in die Irische See. Von Belfast geht die Fähre auf die Isle of Man und von Douglas nach Dublin zurück auf die Grüne Insel. Dort läuft die Route an der Ostküste entlang in die Wicklow Mountains und über die Grafschaften Waterford und Wexford an die Copper Coast. Hier scheiden sich die Wege. Von Rosslare zurück nach Frankreich auf den Kontinent oder westwärts Richtung Cork zum südlichen Ausgangspunkt des „Wild Atlantic Way“.

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