Editorial: Unterwegs an der Irischen See

Editorial: Unterwegs an der Irischen See

Werkstattbericht: The Celtic Way – die Bronzezeit südwärts

VON HEINZ BÜCK



Es war – wenn ich mich nicht irre – an Station Sechs. Oder war es doch die Sieben? „Irland war niemals keltisch“, schnarrte der Audioguide an meinem Ohr. Ich stutzte. Hatte ich recht verstanden? War nicht kürzlich noch das Fell des Celtic Tiger verteilt worden? Und nun hieß es: „Irland war niemals keltisch“? Ich musste mich wohl verhört haben!

BildWir waren auf dem Heimweg. Der Irish National Heritage Park in Ferrycarrig im County Wexford war unser letzter Stopp. Was in diesem herrlichen Park auf faszinierende Art greifbar, spürbar und verständlich wird, ist mehr als allein die irische Geschichte. Es ist gesamteuropäische Geschichte in voller epischer Breite, vom Holozän bis ins späte Mittelalter, von der Ur- und Frühgeschichte Europas bis zur Nationalgeschichte der angelsächsischen Welt. Er liegt im Südosten der Grünen Insel, kaum 20 Kilometer vom Fährhafen Rosslare entfernt, quasi auf Kontinentalkurs zur Normandie und zur Bretagne. Ein wunderbarer Platz also, um eine Irlandreise zu beschließen oder besser noch: um sie zu eröffnen. Doch wir kamen gerade aus Norden, mussten nun endlich heim nach einer langen Reise durch die Gälisch sprechende Welt und wollten einfach nicht loslassen von ihren wunderbaren Landschaften und den gastfreien Menschen, die wir während sechs langer Wochen kennengelernt hatten.

Wir waren von Schottland nach Irland gekommen. In Ferrycarrig durften wir noch einmal zurückschauen in Zeit und Raum, die wir soeben durchquert hatten, in vergangene Epochen, die uns entglitten, je länger sie hinter uns lagen, und auf großartige Etappen an Küsten und Stränden, die erst wieder erreichbar sein würden in fernen kommenden Tagen. Doch wir mussten nach Hause. Und am Ende nun das: „Irland war niemals keltisch“.

BildIch gestehe, wir waren verblüfft. Der Irish National Heritage Park ist eine Institution, eine feste Größe für Zeitreisende. Er lädt seine Besucher ein zu einer spannenden Reise in genau jene Vergangenheiten, die damals nur wenige Tage hinter uns lagen. 9000 Jahre spannende Geschichte werden hier gegenwärtig, seit die ersten Menschen Irland besiedelten. Sie erzählt vom Aufkommen des Ackerbaus, was Sesshaftigkeit zur Folge hat und wahrscheinlich die Grundlage für die Irish-Pub-Kultur legte. 16 Stationen führen von der Mittel- und Jungsteinzeit bis in die Tage der Wikingerüberfalle und der Eroberung durch die Normannen. Ja, im Grunde bis in die Gegenwart, zählt man beispielsweise das Kino des Visitor Centers mit. Wie eine Sonde im irischen Universum sendet es nie zuvor gesehene Bilder aus der Tiefe der Raumzeit, etwa von den Megalithkulturen um Newgrange und Knowth. Es zeigt die magischen Stätten, an denen zur Wintersonnenwende das Licht der untergehenden Sonne in Jahrtausende alte Grabkammern fällt und für einen flüchtigen Moment die Anderwelt erleuchtet. Diese luziden Stoffe schenken Archäologen und irischen Dichtern eine phänomenale Hintergrundstrahlung für Entstehungsgeschichten und kosmologische Spektralanalysen, sei es vom Hill of Tara oder vom Rock of Cashel, dem späteren Sitz der alten irischen Könige. Zeit und Raum verkehren sich. Vergangenes wird gegenwärtig. Kein Wunder, dass der kleine angegliederte Laden neben Souvenirs und Geschenkartikeln eine interessante Auswahl an Literatur und wissenschaftlichen Büchern zur Orientierung bereithält. Nicht zu vergessen das gastliche Restaurant, in dem wir bei Cider, Kuchen und Tee Abschied nehmen wollten vom keltischen Kosmos, nach einem kurzen Blick in die Irish Times.

BildIch stoppte verblüfft die Bandansage, startete neu und konnte es nicht fassen: „Irland war niemals keltisch“. Was war mit William Butler Yeats, dem Protagonisten der Keltischen Renaissance? Was mit James Joyce und Finn's Hotel. Selbst beim dritten Abhören war unmissverständlich zu hören: „Es hat nie eine keltische Eroberung gegeben“. Wie und wo und wann genau die gälische Sprache und keltische Kultur auf die Insel gekommen sind, sei entgegen vorherigen landläufigen Annahmen für die heutige Wissenschaft im Grunde ein Rätsel. Das schien uns dann alles doch sehr befremdlich, ja ernüchternd.

Synchronizität und Anachronismen

Wir waren von den Äußeren und Inneren Hebriden gekommen, über Nordirland und die Isle of Man nach Dublin, alles Regionen, wo Menschen Gälisch sprechen oder dies zumindest einstmals taten. Wir hatten diese außergewöhnliche Route gewählt, um die irisch-schottischen Verbindungen zu erkunden. »The Celtic Way« haben wir sie genannt. Nicht von Süden oder Westen her, nicht von Frankreich, Wales oder England. Nein, von Schottlands Westküste aus fuhren wir an die Irische See und wollten von dort zurück auf den Kontinent. Mag sein, dass dieser besondere Weg auf die Grüne Insel auf dem Kopf steht. Touristisch geht es gewiss auch andersherum. Doch es ist eine atemberaubende Tour, nicht nur landschaftlich, besonders auch historisch: Bild Sie verzweigt an etlichen Schlüsselstellen, etwa am Ring of Brodgar auf den Orkney Islands, geradewegs ins Neolithikum. 2500 vor Christus wird hier eine megalithische Kathedrale als religiöses Zentrum errichtet, der „Vatikan der Steinzeit“, eine wahre Sensation für die heutige Archäologie. Sie mündet in den allerwestlichsten Küstenregionen Schottlands in die Bronzezeit, an so entlegenen Orten wie den St. Kilda Islands, den Inseln am Rande des Meeres. Dort bringen frühe Siedler im Holozän – möglicherweise aus Irland – Schafe ein, deren isoliert endemisches Vorkommen heute nach 4500 Jahren die DNA-Forschung weltweit begeistert. Sie schweift ab in die Eisenzeit, als die Kelten um 500 vor Christus die Äußeren Hebriden besiedeln und den Broch Dun Carloway als befestigten Wehrturm an die Küste von Lewis stellen. Und Irland soll derzeit nicht keltisch gewesen sein?

Wir sind 3500 Kilometer von Edinburgh nach Dublin gefahren, vom Neolithikum bis in die Neuzeit. Die Route schrammt die Zeitenwende, als Cäsar 55 vor Christus Britannien im Süden erobert, aber den Norden der Insel nicht besetzen kann, auch Irland war nie römisch. Vom heutigen Fähranleger Newcastle, den wir als Startpunkt der Reise gewählt hatten, lässt der römische Kaiser Hadrian Anno Domini 122 einen 113 Kilometer langen Wall bauen, um seine nördlichste Provinz gegen den Einfall der keltischen Stämme aus dem Norden zu schützen. Und Irland war derweil nicht keltisch? Sie durchquert das frühe Mittelalter auf den Inneren Hebriden, als irische Mönche vom 5. Jahrhundert an Schottland christianisieren und das keltische Kreuz nach Norden tragen, als Columban mit zwölf Glaubensbrüdern von Irland über Kintyre nach Iona kommt und mit ihm das Gälische als Sprache ihrer Verkündung. Und dieser Audioguide erzählt, Irland sei niemals keltisch gewesen?

BildIch suchte nach Halt, wollte mich festhalten, am nachgebildeten Ogham Stone in Ferrycarrig, zumal Schrift mehr Sicherheiten verspricht als Ganggräber. Jetzt fällt mir auch wieder ein, dass es die sechste Station war. Die kleine mitgebrachte Broschüre, die hier vor mir liegt, weist den Stein als „Sehenswürdigkeit 6“ aus. Ich schaltete das Bandgerät ab. Hier ging es um Schriftlichkeit und die Erfindung des Ogham, jener originär irischen Schrift, die seit dem 4. Jahrhundert das Lateinische kodiert und das alte Irisch als keltische Sprache transkribiert. Doch die Informationstafel gab dem mundtoten Sprecher an meinem Ohr recht und hatte den gleichen Tenor: „Die Leute denken bei Irland oftmals an ein keltisches Land, doch gibt es überhaupt keinen Anhaltspunkt für eine keltische 'Invasion' ...“ So stand es auf der Tafel. Und zwar in bestem Englisch: „... no evidence for a celtic 'invasion' at all!“ Zu allem Überfluss trug sie die selbstbewusste Überschrift: „A Voice from the Past“. Die musste es wissen. Ich war konsterniert. Ein Glaubenssatz geriet ins Wanken. Vor allem dieses apodiktische „at all“ hat mir keine Ruhe gelassen – überhaupt nicht. Eine ungeklärte Frage stand im Raum: Wie denn sonst kamen Gälisch und die keltische Kultur auf die Grüne Insel? „Ja, wie? – at all“, wisperte spöttisch eine leise Stimme, a Voice from the Past.

Kodierung, Schrift und Sprachen

Wir hatten uns nach den bleibenden Eindrücken aus Station Sechs hilfesuchend in jenem kleinen Buchladen des Irish National Heritage Park umgesehen. Neben einer Tin Whistle, Postkarten, Tee und einem Songbook „Irish Folk“ erstanden wir auf der Stelle Haywoods „Historical Atlas of the Celtic World“. Doch auch er bestätigt: „there were no major Celtic invasions.“ Nicht nur wir, auch andere zuvor hatten sich das offenbar einfacher vorgestellt. Bislang, so las ich, wurde eine sternförmige Besiedlung Europas durch keltische Stämme aus dem Voralpenland unterstellt. Und bisher hatten sich die Archäologen auf die Gemeinsamkeiten der prähistorischen Funde konzentriert. Doch seit Ende des letzten, des 20. Jahrhunderts rücken die Unterschiede in den Fokus ihrer Untersuchungen. Sie unterscheiden seitdem deutlich zwischen atlantischen und mitteleuropäischen Kelten, trennen Insel- von Festlandskelten. Sie sehen Gemeinsamkeiten überraschenderweise ganz anderswo, etwa bei den Keltiberern und Hibernia-Kelten, sprich den Spaniern und Iren. Und sie gehen das neu gestellte Rätsel nach der Herkunft des Keltischen interdis­ziplinär an, nachdem der vage Weg, die Invasion, verworfen wurde. „Doch wie? – at all?“.

BildIch gebe zu, kodifizierte Sprache und Schrift geben mir ein gewisses Vertrauen. Denn sie transportieren Geschichte und Geschichten, über die man reden kann. Daher erstaunte mich nicht, dass sich in Fragen des keltischen Wegs längst andere Wissenschaften zu Wort gemeldet haben: Linguisten etwa, die Sprache und Sprechen analysieren, oder auch Genetiker, die den Code der Evolution entziffern: das Y-Chromosom des irischen Mannes etwa. So deuten denn jüngste DNA-Tests auf starke Blutsbande zwischen Iren und Spaniern hin und verweisen namentlich ins Baskenland. Parallel dazu konstatieren die Linguisten deren sprachliche Verwandtschaft. p-Celtic und q-Celtic werden der linguistische Schlüssel zu neuen wissenschaftlichen Ansätzen und liefern möglicherweise wichtige Indizien zu bahnbrechenden Erkenntnissen.

Wir haben mittlerweile verstanden, dass zu den p-keltischen Sprachen die britannischen Sprachen Walisisch, Kumbrisch, Kornisch und Bretonisch sowie die festlandkeltischen Sprachen Gallisch, Lepontisch und Galatisch gezählt werden. Sie entführen uns weit nach Italien und damit nach Südosteuropa. Zu den q-keltischen Sprachen indessen werden Irisch, Schottisch-Gälisch und das Manx von der Isle of Man gerechnet sowie das Keltiberische. Damit landen wir tatsächlich in Spanien und somit in Südwesteuropa. Hierhin hatte die letzte Eiszeit die Menschen vor 10 000 Jahren zurückgedrängt. Zwei ganz verschiedene Linien führen später, als sich die Gletscher zurückziehen, vom Süden aus nordwärts nach Mittel- und Nordeuropa: eine von Osten und eine von Westen quer durch den sich erwärmenden Kontinent. Verschiedene keltische Sprachabdrücke bezeugen die Fährte. Schon Paul, der Ranger vom National Trust for Scotland auf Hirta, der Hauptinsel der St. Kilda Islands, hatte uns in Sachen »Celtic Way« erzählt, dass er als geborener Engländer Irisch oder Deutsch mit ein wenig Bemühen rudimentär verstehen könne, aber nicht Walisisch und nicht Bretonisch. So dick ist die Verwandtschaft diesseits und jenseits der Irischen See also offenbar gar nicht, eher die zum Baskenland.

Ich erinnerte mich erst später: Wir bekamen in Ferrycarrig noch einen dritten Hinweis, der in dieselbe Richtung wies, ebenfalls nach Süden, ebenfalls nach Spanien. Die Quelle auch hier sprachliche Überlieferung, wenngleich vermittelt und daher indirekter Art: das Lebor Gabála Érenn, das Buch der Landnahme Irlands. Selbst wenn die mündlich tradierten Stoffe der irischen Legenden und Mythen erst im 9. und später dann im 11. Jahrhundert systematisch aufgezeichnet und biblisch verbrämt wurden, so liefern sie doch interessante Anhaltspunkte über vorgeschichtliches Geschehen. Zumal beredte Erzählungen und typisierende Schriftlichkeit authentischer scheinen als die Deutungen der Archäologen: nicht minder spannend und nicht minder zu Übertreibungen neigend. Doch auch wenn erhöhte Vorsicht bei mittelalterlicher Historiografie geboten ist, horchten wir damals auf, als der Audioguide an Station Sechs von den Gefolgsleuten des spanischen König Mil erzählte. Die Milesier, so wusste er zu berichten, kamen mit ihren Booten nach Irland und nahmen den herrschenden Tuatha de Danaan die Macht. Im Lebor Gabála Érenn ist dies die letzte erwähnte Einwanderung in Irland: in diesem Falle also durch q-keltisch sprechende Spanier.

Distanzen, Diffusionen und Assimilation

Wir tranken unseren Tee aus, legten die Irish Times beiseite und verließen das gastliche Restaurant im Visitor Center, um aufzubrechen. Es war Mittag geworden. Von Ferrycarrig mussten wir noch zum Fährhafen nach Rosslare, zu unserer allerletzten Etappe auf dieser langen Reise. Gegen vier Uhr ging das Boot. Aufgewühlt von den letzten widerstreitenden Informationen gingen wir dennoch glücklich an Bord, durchdrungen von Tausenden von Eindrücken aus unzähligen Begegnungen, das Gepäck voller Inspirationen. Wehmut kam hinzu, denn wir waren beschenkt worden.

Ich weiß, Abschied nehmen heißt, Distanz gewinnen, um all dem nahezukommen, was hinter einem liegt. Fährfahrten helfen einem dabei besonders, um in Ruhe Ordnung zu schaffen, zumal wir angesichts der vielen unvermittelten Zeitsprünge nun wirklich Abstand brauchten. Über 4500 Kilometer hatten wir auf dieser Route in weit entfernten Jahrhunderten zurückgelegt, eine respektable Strecke. Durch die Ausläufer eines Hurrikans sind wir bei Windstärke sechs bis sieben und hoher Welle auf den Kontinent zurückgekehrt: durch die Keltische See. Sie wird selbst nach den Erkenntnissen aus Station Sechs nicht umgetauft werden müssen.

BildWir haben die Passage an Deck genossen, mit Blick auf den fernen Horizont. Mit Ausblick ordnen sich die Dinge. Zuhause haben wir unsere Route zurückverfolgt und lesend gelernt, perspektivisch zu denken. Hibernia und Iberia, Irland und Spanien waren und sind aus Sicht seefahrender Völker durchaus direkte Nachbarn, wenn man das bisschen Wasser in der Biskaya dazwischen einmal vernachlässigt. Frühe Einwanderer der Bronzezeit und späte Kaufleute der Eisenzeit hatten diesen direkten Weg durch die Keltische und Irische See schon lange Zeit vor uns gewählt und offenbar wiederholt und gerne genommen. Wie also kamen keltische Sprache und Kultur auf die Grüne Insel und hinauf nach Schottland? „Ja, wie? – at all“, wisperte eine vertraute Stimme. Sir Barrington Windsor Cunliffe, Professor für europäische Archäologie an der Universität Oxford, folgert, dass es die bronzezeitlichen Handelsbeziehungen waren, die sich immer mehr ausbreiteten und dazu führten, dass eine gleichartige Kultur und verwandte indogermanische Dialekte diese große Region um die Keltische See und jenseits des Ärmelkanals zusammenhielt. Die Vorstellung, dass der Norden Europas sternförmig von Zentraleuropa aus besiedelt wurde, gerät ins Wanken.

Wir teilen inzwischen den Verdacht, dass es zu alledem einen äußeren Seeweg in diesem uralten Siedlungsraum gab, einen, der schon zur Zeit der Megalithkultur nach Irland führte, an der Westküste entlang und von Nordirland weiter nach Schottland: über die Inselwelt der Inneren und Äußeren Hebriden, hinaus nach St. Kilda, hinauf auf die Orkneys und weiter bis zu den Shetland Islands – und natürlich zurück. Diese Jahrtausende alten Suchpfade der Menschen nach neuen Siedlungsgebieten gehörten schon 3000 vor Christus zu den damals bekannten Wasserwegen. Ja, ganz offensichtlich waren es seinerzeit die üblichen Handelsschifffahrtsstraßen. Noch jüngst wurden auf den Orkney Islands bei den Grabungen am Ness of Brodgar, im „Vatikan der Steinzeit“, dem wohl sensationellsten Fund der neolithischen Epoche, weit gereiste Artefakte ausgegraben. Unter den dort gefundenen Handelswaren war vulkanisches Glas von der schottischen Aran Isle am Forth of Clyde.

BildIch stimme zu, es spricht viel dafür, dass jenes Glas den Seeweg nahm. Vielleicht war der Weg über die Hebridische See für die Zeitgenossen sogar viel leichter zurückzulegen als der Weg über die Britische Insel landeinwärts hinauf nach Schottland. Gewiss war dieser äußere Seeweg auch rein logistisch schneller und einfacher einzuschlagen als der Fußweg durch das Binnenland. Vielleicht aber wurden beide Wege zu verschiedenen Zeiten von verschiedenen ethnischen Gruppen beschritten, die sprachlich mehr oder weniger miteinander verwandt waren: hier fußfaule Seefahrer, dort landläufige Nomaden. Wobei der Weg per Schiff schneller und leichter und mehrmals hintereinander zurückzulegen war: hin und zurück.

Wir selbst sind diese Route südwärts gefahren. »The Celtic Way« hatten wie sie genannt. Das trifft sogar mehr, als wir anfangs dachten. Dass sie sich über Irland nach Spanien verlängern könnte, hätten wir damals nicht geglaubt. Doch so ist das mit Entdeckungsfahrten. Es bedarf keiner Invasion. Reisetechnisch ist diese Option jedenfalls sehr attraktiv, egal wo man einsteigt: ab in die Bronzezeit und dann immer südwärts. Und da die Iren selbst grandiose Geschichtenerzähler sind, wird ihnen ihre »Costa Hibernia« als Ausgangspunkt einer solchen Reise ebenso gut gefallen wie als Zwischenstopp oder Ziel. Denn ob der entgegengesetzte Kurs – von der iberischen Halbinsel über die Bretagne auf die Grüne Insel – der bessere Weg ist, lässt sich bei einigen Pints gewiss lange diskutieren. Er ist bestimmt genauso gut. Denn die Route ist in jeder Richtung eine Empfehlung, zumal noch viele Rätsel zu lösen sind. Nur Zeit und Raum verkehren sich. Aber das lässt sich ganz bestimmt aushalten. Oder? „Überhaupt kein Problem“, bestätigt eine bekannte Stimme: „no problem at all“, lacht a Voice from the Past, mit jenem kleinen q-keltischen Akzent.