Von der Trauneralm zum Glocknerhaus

Von der Trauneralm zum Glocknerhaus

Von der Trauneralm zum GlocknerhausVon der Trauneralm zum GlocknerhausSonne, nur leicht bewölkt: So begann der heutige Tag. Beides konnten wir gut gebrauchen, begann doch die Wanderung heute mit mehren großen Schritten über einen reißenden Wildbach. Dabei kam ordentlich Leben in die Bude.
Kraft und Ausdauer, waren die heute am meisten gefragten Eigenschaften.

Direkt hinter der Trauneralm auf 1.530 Meter Meereshöhe und hinter besagtem reißenden Bach verlief der Wanderweg konstant steil aufwärts. Ziel: Die Untere Pfandlscharte auf 2.663 Meter über NN. Uff: Gut 1.100 Höhenmeter, dazu steiles Gelände, Schneefelder und sogar eine Gletscherzunge.

BildÜber reißende Wildbäche
Doch die ersten zwei Tage machen sich positiv bemerkbar. Geradezu munter erklimmen die Fernwanderer inzwischen solch stattliche Höhen. Gestern Abend noch hatte Thomas Dempfle, Chef vom Veranstalter Oase Alpin, beim abendlichen Vorgespräch gewarnt: „Bis auf 2.600 Meter hoch - das ist schon eine andere Liga als bisher.“ Lange Wanderhosen seien angebracht, Gamaschen und Grödeln.

Tatsächlich: Artig waren alle aus der Gruppe seinem Rat gefolgt. Stiegen stetig bergauf - und sahen sogar einen Adler, der seine Kreise über den Wanderern zog. Ein majestätischer Vogel.

BildDer Pfad führt stetig bergauf.
Schon auf etwa halber Höhe gestand Thomas Dempfle - die kurze Hose hatte er selbst schon gewechselt und wieder an: „Das mit der langen Hose war wohl ein bisschen zu heftig.“ Wie schön: „Nachher gebe ich einen aus.“ Ein weiterer Vorteil von Sonne und lockerer Bewölkung.

Doch mal ernsthaft: Auf 2.300 Meter über NN grenzte der letzte Fels an das bis dato ewige Eis. Wir mussten die letzten 300 Höhenmeter über einen Gletscher. Dessen Oberfläche, sie sieht aus wie sehr grobkörniger (teils brauner) Zucker, war zum Glück sehr griffig. Nur knöcheltief sanken wir ein, Schritt für Schritt, Schweißtropfen für Schweißtropfen. Auf dieser Strecke kamen die dünnen, atmungsaktiven Pullover und Jacken zum Einsatz, Mützen, Handschuhe und Sonnenbrillen. Dazu natürlich Wanderstöcke und Grödeln. Das sind die anschnallbaren Spikes.

Bild300 Höhenmeter zum Gipfelkreuz
Bergführer Hubert Nagl ging voraus und spurte Tritt für Tritt: „Wir sind die ersten in diesem Jahr“, freute sich der 57-Jährige. Also, liebe Wanderer, wer zur Unteren Pfandlscharte will, braucht nur unserer Spur zu folgen, die führt zum Gipfelkreuz. Das steht auf 2.663 Meter über NN ohne Gipfelbuch im ziemlich kalten Wind. Trotzdem haben wir Albrecht, einem Teilnehmer, ein Ständchen gebracht: Er hat heute Geburtstag. Happy Birthday in der Kernzone des Nationalparks Hohe Tauern - das ist doch was.

BildDer Gipfel ist bezwungen.


Wie gemein, dass diesem Aufstieg nicht einfach ein Abstieg folgte. Schon, schon, es ging erstmal bergab. Aber dann steil wieder bergauf über einen ziemlich gewaltigen Buckel, der sich uns in den Weg stellte. Doch eigentlich hätte sich niemand darüber wundern dürfen: Hubert Nagl hatte gestern Abend schon völlig harmlos von einem „Gegenanstieg, so um die 150 Höhenmeter“ gesprochen. Nicht viel, aber nach den ersten drei Stunden ganz schön bleiern.

Dahinter freilich ging’s bergab. Erst über Schneefelder, dann über herrlich weiche Weisen mit unglaublich bunten Blumen. Und ganz unten, das war schon aus der Vogelperspektive zu erkennen, wartete das Glocknerhaus. In dem sitzen wir, genießen Kaffee und Apfelkuchen, manche auch schon ein Bierchen. So schön ist es anzukommen.

Draußen bewölkt es sich ein bisschen. Für morgen droht schlechtes Wetter. Warten wir’s ab. Wie es morgen tatsächlich aussieht, erfahrt Ihr an selber Stelle.

Bis dahin einen schönen Gruß,

Claus-Georg

BildDas Glocknerhaus von oben